Sprach- und Kulturwissenschaftler
Dr. Daniel Knuchel
Sprache und Digitalität zusammenzudenken, ist der Kern meines Forschungsprogramms, methodisch wie thematisch. Meine Forschung liegt in der Korpuspragmatik und digitalen Linguistik sowie in der Diskurs- und Soziolinguistik des Gegenwartsdeutschen; ich arbeite kulturanalytisch, empirisch und mit digitalen Methoden. Digitalität spielt dabei eine doppelte Rolle: Sie verändert die Gegenstände der Sprachwissenschaft, von Webforen und Plattformkommunikation bis zur Interaktion mit Sprachmodellen, und sie verändert die Verfahren, mit denen wir sie untersuchen.
Mein Sprachbegriff ist gebrauchsbasiert und kulturanalytisch: Sprache ist eine Praxis, in der Wissen und Bedeutung hergestellt werden und sich als Sprachgebrauchsmuster verfestigen. Daraus ergeben sich meine beiden Leitfragen. Was lässt sich am Gegenwartsdeutschen darüber lernen, wie eine digital geprägte Gesellschaft Wissen ordnet, Zugehörigkeit markiert und kommunikative Normen verschiebt? Und wie ist Sprache zu beschreiben, wenn an ihrer Hervorbringung neben Menschen zunehmend Plattformen, Werkzeuge und generative Systeme beteiligt sind? Rechnen und Lesen greifen in meiner Arbeit ineinander, und jedes Werkzeug prüfe ich auf die Forschungslogik, die es in die Analyse einbringt.
Forschungsschwerpunkte
Diskurs, Wissen, Gesellschaft
Mich interessiert, wie in sprachlicher Praxis Wissen, Identität und kommunikative Normen entstehen und sich verschieben: wie eine Gesellschaft über HIV/AIDS, Sexualität oder Protest spricht, was dabei als Wissen gilt und was mit einem Thema geschieht, wenn das öffentliche Interesse schwindet.
Postdigitale Schreibkulturen
Mich interessiert, wie sich Schreiben verändert, wenn digitale Werkzeuge und generative KI zur Schreibumgebung gehören: welche Praktiken entstehen, welche Texte, welche Vorstellungen von Autorschaft und Authentizität. In Schule, Universität und Verwaltung, oft gemeinsam mit den Schreibenden selbst.
Korpuspragmatik und digitale Methoden
Um diesen Fragen nachzugehen, adaptiere ich digitale Methoden und entwickle sie weiter: von Keyness und Kollokationen über Word Embeddings bis zu multimodalen Korpora und Sprachmodellen. Jedes Verfahren prüfe ich darauf, welche Forschungslogik es in die Analyse einbringt.
Aktuell
- Oktober 2026Das Projekt Language Regimes of the Machine mit Naomi Truan (Leiden) ist bewilligt, gefördert durch das Global Funding Scheme der Universität Zürich.
- Call for PapersInternationaler Workshop «Doing Multilingualism with Generative AI: Recentering the Users», Universität Zürich, 10.–11. März 2027, mit Naomi Truan (Leiden). Keynotes: Bettina Migge und Anna Weichselbraun. Abstracts bis 30. Oktober 2026 an daniel.knuchel@ds.uzh.ch.
- Seit September 2026Zürcher Anteil der wissenschaftlichen Expertise Chatbots an der Schnittstelle von Sozialverwaltung und ihrem Publikum für das IAQ Duisburg-Essen, mit Bettina M. Bock (Köln).
- 2026Aufsatz «Postdigitale Schreibkulturen im Kontext generativer KI» in der Zeitschrift für Kulturlinguistik 1. Alle Publikationen
Nächste Vorträge und Veranstaltungen
- 13.11.2026Postdigitale Schreibkulturen in Zeiten von LLM. Online-Kolloquium Artificial Friday, auf Einladung von PD Dr. Nina Kalwa, Universität Tübingen (online).
- 20.11.2026Schreibforschung und Citizen Science in der Schule. Gastvortrag im Seminar Linguistics goes Citizen Science (Y. Ilg), Universität Zürich.
- 27.11.2026Chatbots in der kommunalen Grundsicherung als Beispiel für automatisierte Kommunikation. Arbeitsgruppe an der Tagung Bessere Sozialpolitik durch technologischen Wandel? Ansätze und Ausblicke, Institut Arbeit und Qualifikation, Universität Duisburg-Essen.
- 04.12.2026Linguistik, Schule und KI. Germanistiktag 2026 Germanistik und Schule, Universität Bern.
Kurz
Ich bin Oberassistent am Lehrstuhl von Noah Bubenhofer am Deutschen Seminar der Universität Zürich. Promoviert habe ich 2023 in Zürich und Heidelberg mit einer korpuspragmatischen Arbeit zum Sprechen über HIV/AIDS. Gelehrt habe ich an den Universitäten Zürich, Basel, Genf, Heidelberg und Skopje, mehr dazu unter Lehre. Der ganze Werdegang steht im Lebenslauf.